17.10.2017
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Roter SternMärz- gefallene West- friedhof

Märzgefallene auf dem Westfriedhof

Der Paroli-Verein für politische Kultur in Oberhausen hat eine Patenschaft für das Märzgefallenengrab auf dem Westfriedhof übernommen. Die Inschrift des Gedenksteins aus dem Jahr 1920 lautet: „DAS BANNER STEHT: WENN DER MANN AUCH FÄLLT. MÄRZ 1920.“Es erinnert an den größten Aufstand in der jüngeren Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.

Am Morgen des 13. März 1920 besetzt die Marinebrigade Erhardt, deren Angehörige als Ausdruck ihrer völkischen Gesinnung häufig ein Hakenkreuz auf ihrem Helm tragen, das Berliner Regierungsviertel. Ihr Befehlshaber, General Walther Freiherr von Lüttwitz, erklärt die gewählte Regierung für abgesetzt und ernennt Wolfgang Kapp zum Reichskanzler. Da die Reichswehr sich weigert, gegen die Putschisten vorzugehen, flieht die Regierung aus Berlin. Der Generalstreik zu Rettung der Republik wird ausgerufen und nahezu einmütig befolgt. Nach vier Tagen ist der Putsch beendet.

Der Märzaufstand

In der Folge des Putschversuches kommt es im März 1920 zu zahlreichen revolutionären Aufstandsbewegungen, besonders heftig im Ruhrgebiet. Hier schließen sich etwa 50.000 Arbeiter zur „Roten Ruhrarmee“ zusammen. Innerhalb weniger Tag gelingt es ihr, das ge-samte Militär aus dem Revier zu vertreiben. Geführt wird diese letzte revolutionäre Massen-bewegung in Deutschland von den neu gebildeten Vollzugsräten. Eine einheitliche Komman-dozentrale besteht aber nicht. Einigkeit besteht in den Forderungen nach gesellschaftspoliti-schen Veränderungen, insbesondere die Vergesellschaftung der Bergwerke.

Am 31. März kommt der „Friede von Münster“ zustande, die Waffen der Roten Ruhrarmee sollten am 2. April abgeliefert sein. Am 1. April erhält die Reichswehr jedoch den Auftrag, im Revier die Ordnung mit allen Mitteln wiederherzustellen. Unterstützung erhalten sie von Frei-korps, wie der maßgeblich am Lüttwitz-Kapp-Putsch beteiligten Brigade Ehrhardt. Die Trup-pen nehmen für ihre zuvor erlittene Niederlage Rache, über 1.000 Arbeiter, darunter auch viele Unbeteiligte, werden getötet.

Tote auf dem Altmarkt

Am 3. April rücken die Truppen in Sterkrade ein: Sieben Angehörige der Roten Armee und ein Zivilist werden getötet. Ein ähnliches Vorgehen erlebt Osterfeld: Die Reichswehr nimmt die Stadt ein, erobert das Werbebüro der Roten Armee und exekutierte neun Menschen, die sich nicht ergeben wollen. Im benachbarten Eisenheim werden vier Personen durch eine Granate getötet.

Am Altmarkt und in den umliegenden Straßen treffen die Truppen auf die Reste der Roten Armee. Der Tod eines Reichswehrmanns, er soll an der Ecke Marktstraße/Stöckmannstraße von revolutionären Arbeitern erschossen worden sein, lässt die Situation eskalieren: Bei fünf Zivilisten sollen Handgranaten und Waffen gefunden worden sein. Die Order ist eindeutig: Es solle alles getan werden, was den Frieden sicher stellt. Das hieß in diesem Fall: Die Verhaf-teten waren schuldig, die Beweise eindeutig - die Personen werden exekutiert. Auch an an-deren Stellen der Stadt wird ähnlich verfahren: Personen, die mit einer Waffe in der Hand gefasst werden, müssen sich vor einem Standgericht verantworten und werden hingerichtet.

Nach Verlautbarungen kommen bei den Kämpfen in Oberhausen mindestens 22 Menschen ums Leben: Elf werden am Ostersonntag auf dem Liricher Friedhof beigesetzt, die anderen am darauf folgenden Tag

Gedenkstein über dem Massengrab

Die Oberhausener Arbeiterschaft möchte den Getöteten ein ehrendes Andenken bewahren und beantragt, die getöteten Arbeiter auf dem Ehrenfriedhof beizusetzen. Die Bitte wird mit der Begründung, „…dass der Ehrenfriedhof lediglich für die im Kriege gefallenen Helden be-stimmt ist“, abgelehnt. Daraufhin wird der Beschluss gefasst, einen Gedenkstein über das Massengrab zu setzen. Die feierliche Einweihung soll am 2. April 1921 stattfinden, die Ver-sammlung wird jedoch verboten. Dies verhindert aber nicht, dass das Denkmal sich zum wichtigsten Erinnerungsort für die Märzereignisse in Oberhausen entwickelt. Bis 1933 ziehen jährlich Tausende zu dem Grab der Märzgefallenen.

Die Nationalsozialisten versuchen alles, um die Erinnerung an die Opfer des Aufstandes zu zerstören und ihr eigenes Geschichtsbild durchzusetzen. Die Demonstrationen zum Grab werden verboten, der Stein zerstört. Letztlich haben sie keinen Erfolg.

Bereits 1946 wird der Stein wieder errichtet. Ob hierbei noch Bruchstücke des alten Steines verwendet werden oder ein gänzlich neuer geschaffen wird, lässt sich bisher nicht klären. Sicher hingegen scheint, dass der Steinmetz nach den Originalvorlagen gearbeitet hat. Hier-für spricht die Herausarbeitung der Girlanden und die Inschrift, die deutliche Anklänge an den Jugendstil erkennen lassen und typisch für die frühen 1920er Jahre sind.